Benjamin Müller über Schülergewinnung: Wenn Privatschulen umdenken müssen

Freie Schulen stehen vor einem Paradox: Ihr Angebot war nie gefragter – doch viele kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Eine Spurensuche zwischen leeren Klassenräumen und neuen Wegen.
© Benjamin Müller
Inhaltsverzeichnis

An einem Dienstagmorgen im Januar sitzt die Geschäftsführerin einer freien Schule in Süddeutschland vor einer Tabelle, die sie seit Wochen nicht mehr öffnen wollte. 149 Schülerinnen und Schüler stehen auf der Liste. Für einen kostendeckenden Betrieb bräuchte sie 200. Das Defizit hat längst die sechsstellige Marke überschritten. “Wenn die Schülerzahlen nächstes Jahr nicht hochgehen, sind wir insolvent”, sagt sie. Ihre Stimme klingt nicht panisch. Eher müde. Die Schule, deren Name hier nicht genannt wird, ist kein Einzelfall. Sie ist ein Symptom. Überall in Deutschland ringen freie Schulen – Waldorfschulen, Montessori-Einrichtungen, konfessionelle Träger – mit einer Krise, die von außen kaum sichtbar ist. Die Pädagogik stimmt. Die Eltern, deren Kinder bereits dort sind, schwärmen. Doch neue Familien finden den Weg nicht. Nicht, weil das Angebot schlecht wäre. Sondern weil niemand davon erfährt.

Warum Waldorfschulen und freie Schulen trotzdem Schüler verlieren

Freie Schulen entstanden aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Ihre Gründer waren Pädagogen, keine Unternehmer. Das prägt bis heute die Haltung vieler Kollegien: Wer gute Arbeit leistet, wird gefunden. Die Realität sieht anders aus. Im Fall der süddeutschen Schule hat eine neu gegründete Konkurrenzschule in der Region innerhalb weniger Monate zehn Kinder abgeworben. Nicht durch bessere Pädagogik – durch bessere Sichtbarkeit. Die Reaktion im Kollegium? Zurückhaltend. “Für elf Kinder unterrichten ist weniger anstrengend als für einundzwanzig”, fasst die Geschäftsführerin die Stimmung zusammen. Was für einzelne Lehrkräfte nachvollziehbar klingt, ist für den Schulorganismus existenzbedrohend. Die Schule hat in den vergangenen Jahren zwei Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit eingestellt. Beide wurden wieder entlassen. Die Homepage wurde überarbeitet, Flyer gedruckt, Infoabende organisiert. Die Schülerzahlen blieben, wo sie waren.

Wenn Flyer und Infoabende nicht reichen: Neue Wege der Privatschul-Vermarktung

Es ist ein Muster, das sich wiederholt. Und es wirft eine Frage auf, die in Kollegien selten gestellt wird: Was, wenn das Problem nicht die Sichtbarkeit der Schule ist, sondern die Art, wie Sichtbarkeit hergestellt wird? Benjamin Müller, Gründer der Agentur BM Wachstum im baden-württembergischen Mainhardt, beschäftigt sich seit Jahren mit genau dieser Frage. Er ist selbst Vater zweier Töchter an einer Waldorfschule. “Die meisten freien Schulen versuchen, mit den Mitteln der Vergangenheit ein Problem der Gegenwart zu lösen”, sagt er. Sein Ansatz, den er Werte-Kompass nennt: keine klassische Werbung, sondern eine systematische Methode, Familien zu erreichen, die bereits nach Alternativen zum Regelsystem suchen – und sie mit den Werten der jeweiligen Schule zusammenzuführen.

Anmeldezahlen steigern: Was die Zahlen zeigen

Die Ergebnisse einer ländlichen freien Schule mit rund 200 Plätzen, die diesen Ansatz umsetzt, lassen aufhorchen: 32 qualifizierte Familienanfragen innerhalb eines Monats. Keine dieser Familien kam über Flyer oder Mundpropaganda. Sie kamen, weil sie digital genau dort angesprochen wurden, wo ihre Suche bereits begonnen hatte. Was Müller von klassischen Agenturen unterscheidet, ist die Haltung. Es geht nicht darum, eine Schule zu verkaufen. Es geht darum, die richtigen Familien mit der richtigen Schule zusammenzuführen. Ein Unterschied, der im Kontext freier Schulen entscheidend ist – hier zählt Vertrauen mehr als Versprechen. Und die Schülergewinnung ist nur die eine Seite. Freie Schulen kämpfen längst an zwei Fronten: Familien finden und Lehrkräfte-Zahlen stabil halten. Eugen Schlosser, der über Müller neun Pädagogen für seine Einrichtung gewinnen konnte, bringt es auf den Punkt: “Der Return on Investment – der ist enorm.”

Die wirtschaftliche Realität freier Schulen

Wer eine freie Schule leitet, führt ein Unternehmen mit pädagogischem Auftrag – nicht umgekehrt. Die wirtschaftliche Stabilität freier Schulen entscheidet darüber, ob alternative Pädagogik in Deutschland eine Zukunft hat oder zur Fußnote wird. Und diese Stabilität beginnt bei den Anmeldezahlen. Die Geschäftsführerin in Süddeutschland hat inzwischen einen Entschluss gefasst. Sie will nicht mehr warten, bis sich die Zahlen von selbst erholen. Wenige Wochen nach dem Start einer gezielten Kampagne haben sich über 20 Familien gemeldet, die sich ernsthaft für die Schule interessieren. “Wir haben die beste Pädagogik der Region”, sagt sie. “Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das auch jemand weiß.” Es klingt einfach. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es das nicht ist. Ob der neue Weg diese Schule dauerhaft trägt, wird sich zeigen. Aber die ersten Ergebnisse deuten an: Sichtbar werden muss nicht laut sein. Manchmal reicht eine Art, die zur eigenen Haltung passt.

Benjamin Müller ist Gründer von BM Wachstum in Mainhardt und unterstützt freie Schulen bei der strategischen Schüler- und Lehrergewinnung. Mehr zum Ansatz und konkrete Fallbeispiele unter bm-wachstum.de

Impressum:
BM Wachstum – Gemeinsam Erfolgreich
Benjamin Müller
Im Waldblick 2/1
74535 Mainhardt
+49 7903 8324990
info@bm-wachstum.de
www.bm-wachstum.de

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