Chinesische Roboterhersteller drängen auf den europäischen Markt

Chinesische und deutsche Fahnen wehen im Wind
Inhaltsverzeichnis

Die chinesischen Roboterhersteller dringen zunehmend in den europäischen Markt vor, was zu einem neuen Konfliktpotenzial führt, ähnlich wie bei den Elektroautozöllen zwischen der EU und China.

Die chinesischen Anbieter locken insbesondere mittelständische Unternehmen mit ihren deutlich günstigeren Preisen im Vergleich zu europäischen Herstellern. Laut Experten wie Mladen Milicevic von Unchained Robotics und Werner Hampel vom Deutschen Robotikverband, können chinesische Roboter bis zu 50 % günstiger sein. Neben den niedrigen Preisen bieten die chinesischen Hersteller zunehmend professionellen Service an, um sich auf dem europäischen Markt zu etablieren.

China ist weltgrößter Markt für Industrieroboter

Die chinesische Regierung unterstützt diese Expansionsstrategie, indem sie Schlüsselbereiche wie die Robotik fördert. Bereits 2015 identifizierte die chinesische Staatsführung zehn Schlüsselbranchen, darunter die Robotik, in denen chinesische Unternehmen weltweit führend werden sollen. Diese Unterstützung hat China zum weltgrößten Markt für Industrieroboter gemacht, mit fast 290.300 installierten Einheiten allein im Jahr 2022.

Europa wächst, hinkt aber weit hinterher

Der europäische Markt für Roboter wächst jährlich um etwa 5 %, was chinesische Hersteller anzieht. Obwohl der Exportanteil chinesischer Roboter derzeit noch gering ist, zeigt die Branche in Deutschland Anzeichen von Besorgnis. Der Branchenverband VDMA Robotik und Automation hat seine Wachstumsprognose aufgrund des verstärkten Wettbewerbs mit chinesischen Konkurrenten halbiert. Chinesische Unternehmen wie Dobot und Elite Robots haben bereits lokale Service- und Vertriebsstrukturen in Deutschland aufgebaut. Jaka Robotics produziert sogar für große Kunden wie Schneider Electric.

Produktionshalle mit Robotern

China führt auch im Premiumsegment

Traditionell dominierten europäische und japanische Anbieter das Premiumsegment des Robotikmarktes, während chinesische Hersteller eher günstige Roboter für einfache Aufgaben anboten. Doch auch im Premiumsegment nutzen Kunden die niedrigeren Preise chinesischer Produkte als Druckmittel in Verhandlungen. Chinesische Hersteller wollen jedoch nicht nur über den Preis konkurrieren, sondern auch technologisch aufholen. Sie punkten bereits in Bereichen wie Bildverarbeitungssystemen und KI-Anwendungen.

Chinesische Übernahmen, um Marktführung auszubauen

Ein Beispiel für die chinesische Offensive im europäischen Robotikmarkt ist die Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea im Jahr 2016. Solche Übernahmen wären heute aufgrund verschärfter Gesetze kaum noch möglich. Dennoch suchen chinesische Konzerne weiterhin nach Übernahmekandidaten in Europa, um sich Zugang zu neuen Märkten zu verschaffen und die kulturellen Unterschiede besser zu verstehen.

Deutsche Unternehmen fordern Politik zur Unterstützung auf

Die deutschen Roboterhersteller und -verbände fordern mehr Unterstützung von der Politik, um im Wettbewerb mit den stark geförderten chinesischen Unternehmen bestehen zu können. Beispiele aus anderen Ländern, wie die USA mit speziellen Abschreibungsmöglichkeiten und gezielter Förderung bei Investitionen, könnten als Vorbild dienen. Susanne Bieller, Generalsekretärin des Weltrobotikverbands IFR, fordert ähnliche Maßnahmen für Deutschland.

Einige deutsche Unternehmen versuchen, an Unabhängigkeit zu gewinnen, indem sie sich von chinesischen Investoren lösen und ihre Produktion ins Inland verlagern, wie das Beispiel Neura Robotics zeigt. Gleichzeitig setzt die deutsche Politik verstärkt auf die Förderung der heimischen Robotikindustrie. Bundesfinanzminister Christian Lindner betonte bei der Eröffnung einer neuen Roboterfertigung in München die Bedeutung von Start-ups wie Robco, die modulare Roboterlösungen anbieten und damit insbesondere kleineren und mittelständischen Unternehmen den Einstieg in die Robotik erleichtern.

Spionage-Angst wächst

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die IT-Sicherheit. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung sowie aufgrund des Konkurrenzkampfes wächst die Sorge vor Spionage. Größere Unternehmen berücksichtigen daher ganz besonders die Sicherheitsaspekte bei der Anschaffung von Robotern. Anbieter wie Fruitcore Robotics setzen daher verstärkt auf sichere und unabhängige Kommunikationslösungen.

Insgesamt zeigt sich, dass der Wettbewerb im europäischen Robotikmarkt durch den Eintritt chinesischer Hersteller intensiviert wird. Dies stellt eine massive Herausforderung dar, birgt aber auch die Chance, durch technologische Innovationen und politische Unterstützung die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

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