Im Diesel-Streit USA wächst der Druck auf Europa: Die US-Regierung hat Frankreich und Deutschland mit Exportbeschränkungen gedroht, sollten die beiden Länder keinen Diesel aus ihren strategischen Reserven freigeben. EU-Handelschef Maros Sefcovic hat sich deshalb beim G20-Handelsministertreffen in Milwaukee mit US-Handelsbeauftragtem Jamieson Greer abgestimmt. Hintergrund sind die US-Dieselpreise, die seit Kriegsbeginn mit dem Iran um mehr als 70 % gestiegen sind.
- Die USA fordern von Frankreich und Deutschland die Freigabe strategischer Dieselreserven.
- Der durchschnittliche US-Dieselpreis liegt laut AAA bei 6,39 US-Dollar je Gallone.
- Präsident Trump erwägt ein Exportverbot für Diesel, räumt aber selbst mögliche Folgen für Benzinpreise ein.
- Emmanuel Macron plant ein G7-Videotreffen Mitte Oktober, die EU-Staaten ein Notfalltreffen bereits für Freitagfrüh.
Was beim Diesel-Streit USA auf dem G20-Treffen besprochen wurde
Sefcovic und Greer sprachen am Rande des G20-Handelsministertreffens in Milwaukee über die Dieselversorgung auf beiden Seiten des Atlantiks. Laut Sefcovic haben sich beide Seiten darauf verständigt, eng in Kontakt zu bleiben, um Überraschungen zu vermeiden. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die EU die vereinbarten US-Energieimporte aus dem Turnberry-Handelsabkommen des Vorjahres bereits getoppt habe.
Greer wiederum signalisierte Bereitschaft zur Zusammenarbeit, machte aber deutlich, dass Washington sich eine Freigabe weiterer europäischer Reserven wünscht.
Wen die Exportdrohung trifft – und ab wann
Im Fokus stehen vorwiegend Frankreich und Deutschland. Beide Länder sollen laut US-Regierung ihre Dieselbestände anpassen, also Reserven freigeben, um den US-Markt zu entlasten. Ein konkretes Datum für ein mögliches US-Exportverbot wird derzeit nicht genannt. Allerdings laufen die Vorbereitungen bereits auf beiden Seiten. Für Freitagfrüh ist ein Notfalltreffen der EU-Mitgliedstaaten mit der EU-Kommission angesetzt, Macron möchte zudem Mitte Oktober ein G7-Videotreffen einberufen.
Warum Washington auf die europäischen Reserven drängt
Für die US-Regierung geht es um handfeste innenpolitische Interessen: Vor den Zwischenwahlen im November will sie die Kraftstoffkosten senken. Besonders in US-Agrarstaaten sind hohe Dieselpreise ein politisches Problem, weil der Kraftstoff für Landwirtschaft, Lkw-Verkehr und verarbeitendes Gewerbe zentral ist. Hohe Energiekosten gelten dort als Risiko für die Mehrheit der Republikanischen Partei im Kongress.
US-Finanzminister Scott Bessent rief die europäischen Partner auf, Lieferzusagen zu beschleunigen und zusätzliche Mengen bereitzustellen. US-Energieminister Chris Wright zeigte sich zuversichtlich, dass Europa demnächst Diesel aus seinen Reserven freigibt und entsprechende Ankündigungen macht.
Was Autofahrer und Spediteure jetzt tun können
Für Verbraucher und Unternehmen in Europa bleibt die Lage vorerst unklar. Die EU zögert mit der Freigabe ihrer Notvorräte, weil die Bestände begrenzt sind und im Fall einer Verschärfung geopolitischer Konflikte, etwa eines ausgeweiteten Iran-Kriegs, noch wichtiger werden könnten. Sefcovic warnte ausdrücklich vor schädlichen Folgen von US-Exportbeschränkungen für die europäische Wirtschaft.
Spediteure und Landwirte sollten die Entwicklungen rund um das Notfalltreffen der EU-Staaten aufmerksam verfolgen, da sich daraus kurzfristig Preissignale für den europäischen Markt ergeben könnten. Wer stark von Dieselpreisen abhängt, kann sich auf Schwankungen einstellen, solange der Diesel-Streit USA nicht beigelegt ist.
Wie es im Diesel-Streit USA weitergeht
Der französische Staatssekretär für internationalen Handel, Nicolas Forissier, geht nicht von einem tatsächlichen US-Exportverbot aus. Auch Trump selbst räumte ein, dass ein solches Verbot letztlich auch die Benzinpreise in den USA erhöhen könnte. Entscheidend dürfte das für Mitte Oktober geplante G7-Videotreffen werden, zu dem Macron eingeladen hat. Dort sollen Maßnahmen gegen die steigenden Treibstoffpreise beraten werden, einschließlich einer möglichen Freigabe von Reserven.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.



