Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben, seit dem 16. September gelten die neuen Sätze. Für Sparer ist das eine gute Nachricht, für Menschen mit Dispo oder variablem Kredit eher nicht. Ein Überblick, was sich im Alltag verschiebt.
Was die EZB beschlossen hat
Der EZB-Rat hat am 10. September bei einer auswärtigen Sitzung in Berlin alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht. Der Einlagensatz, an dem sich Banken bei Sparprodukten orientieren, steigt damit auf 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,65 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent. In Kraft sind die neuen Sätze seit Mittwoch, dem 16. September.
Bereits im Juni hatte die Notenbank die Zinsen um denselben Schritt angehoben. Als Grund nennt die EZB den Konflikt im Nahen Osten, der vor allem über die Energiepreise die Teuerung antreibt. Die Inflation im Euroraum lag im August nach Eurostat bei 3,2 Prozent. Die Fachleute der EZB rechnen für 2026 im Schnitt mit 3,0 Prozent, für 2027 mit 2,5 Prozent und erst 2028 mit 2,1 Prozent, also wieder nahe am Zielwert von zwei Prozent.
Sparer: Zinsen steigen, aber nicht überall
Für Guthaben auf Tagesgeld- und Festgeldkonten ist die Richtung klar nach oben. Nach Auswertungen des Vergleichsportals Biallo ist der durchschnittliche Tagesgeldzins seit Jahresbeginn von 1,37 auf 1,74 Prozent gestiegen, beim Festgeld von 1,52 auf 2,09 Prozent. Mehrere Banken haben ihre Konditionen rund um die EZB-Sitzung bereits angepasst.
Allerdings reichen Banken höhere Leitzinsen weder automatisch noch vollständig weiter. Gerade bei Hausbanken bleibt der Zins auf dem Tagesgeld oft deutlich hinter Direktbanken zurück. Hohe Lockzinsen gelten zudem häufig nur für Neukunden und nur einige Monate. Bei einer Inflation um drei Prozent bleibt für viele Sparer real ohnehin wenig übrig. Wer sein Geld auf einem Girokonto ohne Verzinsung liegen lässt, verliert durch die Teuerung sogar spürbar an Kaufkraft.
Kreditnehmer: Dispo und variable Zinsen werden teurer
Die Kehrseite trifft alle, die Geld leihen. Kurzfristige Kredite, Dispo- und Überziehungszinsen sowie Finanzierungen mit variablem Zinssatz reagieren meist spürbar auf die Leitzinsen. Das betrifft besonders Österreich, wo viele Wohnkredite an den Euribor gekoppelt sind und sich die Rate bei steigenden Geldmarktzinsen mit der nächsten Anpassung erhöhen kann.
Wer dagegen eine Baufinanzierung mit langer Zinsbindung abgeschlossen hat, spürt die Zinsschritte bis zum Ende der Bindung nicht. Neue Kredite und Anschlussfinanzierungen hängen stärker an den Kapitalmarktzinsen, die sich nicht eins zu eins mit dem Leitzins bewegen.
Wie es weitergeht
Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist für den 29. Oktober angesetzt. Einen festen Zinspfad hat die Notenbank ausdrücklich nicht versprochen, sie will von Sitzung zu Sitzung und anhand der aktuellen Daten entscheiden. Die EZB sieht die Risiken für die Inflation eher nach oben gerichtet, für das Wachstum eher nach unten.
Was Verbraucher jetzt tun können
- Den eigenen Tagesgeldzins prüfen und mit dem Marktdurchschnitt vergleichen, statt auf eine automatische Anpassung zu warten.
- Bei Neukundenangeboten auf Laufzeit des Aktionszinses und den Zins danach achten, ebenso auf die Einlagensicherung.
- Einen dauerhaft genutzten Dispo möglichst in einen günstigeren Ratenkredit umschulden oder abbauen.
- Bei variablen Wohnkrediten die nächste Zinsanpassung im Vertrag nachsehen und einen Puffer im Haushaltsbudget einplanen.
Der Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Finanzberatung.



