Hauszustellungen: Ein Boom, der sich abkühlt

Hauszustellung
Inhaltsverzeichnis

Die Ära der Hauszustellungen in Österreich neigt sich dem Ende zu. Hohe Kosten, sinkende Nachfrage und die dichte Supermarktlandschaft führen dazu, dass große Anbieter wie Billa ihre Lieferdienste einstellen. Während internationale Märkte weiter auf Lieferung setzen, bleibt in Österreich der Einkauf vor Ort meist die einfachere und günstigere Lösung – nur spezialisierte Dienste können noch Nischen bedienen.

Von der Euphorie zur Flaute

Die Hauszustellung von Lebensmitteln begann in Europa in den frühen 2000er-Jahren, zunächst vor allem in Großstädten wie London, Paris oder Berlin. Pioniere wie Tesco oder Carrefour testeten Lieferdienste direkt an die Haustür, getrieben von der Hoffnung, den wachsenden Komfortwunsch der Kunden zu bedienen. In Deutschland gewann das Modell insbesondere während der Coronapandemie an Fahrt, als Lockdowns das Einkaufen im Supermarkt erschwerten und Verbraucher verstärkt auf digitale Kanäle zurückgriffen. Auch junge Start-ups wie Gorillas oder Flink verzeichneten rapide Zuwächse, während etablierte Supermarktketten ihre Lieferkapazitäten ausbauten.

Doch die Euphorie ist vielerorts wieder abgeflaut. Hohe Kosten für Logistik, Kühlung und die „letzte Meile“ machen die Zustellung von frischen Lebensmitteln teuer. Liefergebühren von wenigen Euro reichen kaum aus, um die Investitionen in Lager, Fahrzeuge und Personal zu decken. Gleichzeitig neigt die breite Masse wieder dazu, Lebensmittel lieber direkt vor Ort zu kaufen, insbesondere in Ländern mit hoher Supermarktdichte.

Hauszustellungen in Österreich: Pionierphase und Rückzug

Österreich war lange ein Testmarkt für Hauszustellungen. 2017 eröffnete Billa in Wien das erste eigene Warenlager, drei Jahre später folgte ein zweiter Standort. Ziel war es, die wachsende Nachfrage nach digitalen Einkaufsmöglichkeiten zu bedienen und Kunden direkt zu beliefern. Die Coronakrise befeuerte das Geschäft zusätzlich: Viele Konsumenten nutzten Lieferdienste, um Kontakte zu minimieren.

Doch seit Ende der Lockdowns kehrt sich dieser Trend um. Die steigenden Lebenshaltungskosen führen dazu, dass Verbraucher bewusster einkaufen und die Mehrkosten für Lieferungen scheuen. Supermärkte sind in urbanen Zentren wie Wien ohnehin allgegenwärtig. Der Weg in den Laden ist oft kürzer als die Lieferzeit. Vor diesem Hintergrund zieht Billa nun den Schlussstrich: Mit Ende Jänner 2026 wird die eigene Hauszustellung in Wien eingestellt.

Bereits seit einem Jahr wurden Lieferungen außerhalb der Hauptstadt eingestellt, nun gilt dies auch für Wien selbst. 250 Mitarbeitende in den Lagern sind betroffen; Rewe verspricht interne Umsetzungen und Unterstützung beim Jobwechsel.

Lager eines Supermarktes

Vergleich mit anderen Händlern

Billa sah sich als Pionier und Marktführer in der Lebensmittelzustellung, doch andere große Player in Österreich hielten sich zurück. Spar testete Lieferungen nur eingeschränkt und stellte sie in Salzburg bereits ein, Hofer kooperiert bei Bedarf mit Partnerdiensten, anstatt eigene Lieferketten aufzubauen. MPreis in Tirol beendete das Geschäft ebenfalls. Kleinere, spezialisierte Anbieter wie Gurkerl oder Hausfreund bedienen die Nachfrage weiterhin punktuell, vor allem in urbanen Regionen, wo die Kundschaft bereit ist, für Komfort etwas mehr zu bezahlen.

Die Analyse zeigt: Für den durchschnittlichen Kunden hat der persönliche Einkauf im Supermarkt derzeit die Nase vorn. Frische Lebensmittel erfordern präzise Lieferfenster, Kühlung und Logistik, was die Kosten in die Höhe treibt. Selbst bei einem Preisaufschlag von wenigen Euro wird die digitale Einkaufslust vieler Verbraucher gedämpft.

Internationale Perspektive

Anders als in Österreich ist in einigen Ländern die Hauszustellung weiterhin gefragt. In den USA, Großbritannien oder den skandinavischen Staaten nutzen viele Haushalte Lieferdienste regelmäßig, auch wenn die Coronawelle abgeklungen ist. Gründe sind unter anderem größere Distanzen, höhere Preise im stationären Handel und etablierte digitale Infrastrukturen. In Südkorea und Japan wiederum gehört die Lieferung bis an die Haustür seit Jahren zum Alltag, unterstützt durch enge städtische Logistiknetze und hohe Bevölkerungsdichte.

In Kontinentaleuropa ist die Situation gemischter. Deutschland experimentierte während der Pandemie stark mit Lieferungen, doch auch hier flacht die Nachfrage nach frischen Lebensmitteln wieder ab. Anbieter wie Rewe oder Edeka reduzieren ihre Hauszustellung auf Ballungsräume und setzen verstärkt auf Click & Collect oder Partnerdienste.

Zukunft der Hauszustellung

Für Österreich lässt sich zusammenfassen: Die Hauszustellung von Lebensmitteln war ein ambitioniertes Experiment, das sich finanziell nur in Ausnahmefällen rechnete. Während Billa das eigene Liefergeschäft einstellt, bleibt der Onlinehandel bestehen. Kunden können Waren weiterhin über Click & Collect oder Partnerdienste wie Foodora beziehen. Kleine Expresslieferungen in Städten entwickeln sich gut, doch großflächige Lieferungen ins Umland bleiben zu teuer.

Die Entwicklungen zeigen, dass Hauszustellungen in Österreich derzeit eher ein Nischenmarkt sind. Anbieter müssen sich auf urbane Kerngebiete konzentrieren und spezialisierte Modelle entwickeln, um wirtschaftlich zu arbeiten. Für die breite Masse bleibt der Weg in den Supermarkt die einfachere und kostengünstigere Lösung.

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