Wer mit Öl heizt, muss vor diesem Winter deutlich tiefer in die Tasche greifen. In Deutschland wie in Österreich kostete Heizöl im August fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Warum das so ist und was Haushalte beim Nachtanken beachten sollten.
Die Zahlen der Statistikämter
Statistik Austria hat am 17. September die endgültigen Inflationsdaten für August vorgelegt. Die Teuerung in Österreich stieg auf 3,2 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juli. Heizöl verteuerte sich im Jahresvergleich um 48,1 Prozent, im Juli waren es noch 26,9 Prozent gewesen. Auch Gas kostete mit einem Plus von 7,9 Prozent spürbar mehr, feste Brennstoffe legten um 13,9 Prozent zu.
In Deutschland zeigt sich dasselbe Bild. Nach dem Statistischen Bundesamt lag die Inflationsrate im August bei 2,9 Prozent. Leichtes Heizöl war um 49,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe um 27,7 Prozent. Energie insgesamt kostete 10,5 Prozent mehr, der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren.
Warum ausgerechnet Öl so stark zulegt
Hauptgrund sind die Spannungen im Nahen Osten, die die Preise für Rohöl und daraus hergestellte Produkte nach oben treiben. Die Europäische Zentralbank hat genau diesen Energieschock als Begründung für ihre jüngste Zinserhöhung genannt. Heizöl reagiert dabei besonders direkt auf den Ölmarkt, weil es anders als Strom oder Gas kaum über langfristige Lieferverträge oder regulierte Tarife abgefedert wird.
Andere Energieträger entwickeln sich teils gegenläufig. In Deutschland war Strom im August 5,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, Erdgas 2,9 Prozent. In Österreich dämpften gesenkte Abgaben die Strompreise um 10,7 Prozent. Für Haushalte mit Ölheizung ist das allerdings kein Trost.
Was das für die Heizkosten heißt
Wie hoch die Rechnung ausfällt, hängt von Tankgröße, Verbrauch, Region und Bestellzeitpunkt ab. Klar ist: Wer eine größere Menge ordern muss, zahlt derzeit deutlich mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt, dass viele Haushalte im Herbst gleichzeitig bestellen, was die Nachfrage bei den Händlern erhöht. Seriöse Prognosen zur weiteren Preisentwicklung gibt es angesichts der geopolitischen Lage kaum.
Der Preisdruck zeigt sich nicht nur im Heizkeller. In Österreich kostete Treibstoff im August 26,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der sogenannte Miniwarenkorb, der einen typischen Wocheneinkauf samt Tanken abbildet, verteuerte sich deshalb um 4,9 Prozent. Der Mikrowarenkorb für den täglichen Einkauf wurde dagegen um 0,6 Prozent billiger, weil Lebensmittel seit der Mehrwertsteuersenkung im Juli günstiger sind. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist und mit Öl heizt, spürt die Teuerung damit gleich doppelt.
Ähnlich ist es in Deutschland: Während Nahrungsmittel im August kaum teurer waren als vor einem Jahr, schlug die Energie voll durch. Für Pendler auf dem Land, die häufig auch eine Ölheizung haben, summiert sich das über den Winter zu einem spürbaren Betrag im Haushaltsbudget.
Was Verbraucher jetzt tun können
- Den Füllstand prüfen: Wer noch Vorrat für einige Wochen hat, gewinnt Zeit und muss nicht zum ungünstigsten Moment kaufen.
- Statt den Tank komplett zu füllen, eine Teilmenge bestellen, die sicher durch die ersten Wintermonate reicht.
- Mehrere Angebote vergleichen und auf Lieferkosten, Mindestmengen und Zahlungsbedingungen achten.
- Sammelbestellungen mit Nachbarn können den Literpreis senken, weil der Händler nur eine Tour fährt.
- Wer die Kosten nicht stemmen kann, sollte sich rechtzeitig informieren: In Deutschland können Jobcenter oder Sozialamt unter Umständen Heizkosten übernehmen, in Österreich gibt es je nach Bundesland Heizkostenzuschüsse mit eigenen Voraussetzungen.
Der Artikel bietet allgemeine Informationen. Welche Menge und welcher Zeitpunkt sinnvoll sind, hängt vom einzelnen Haushalt ab.



