Das Osttiroler Familienunternehmen THEURL macht aus Sägeresten Brennstoff und Strom. Am 18. September 2026 wurden in Assling ein neues Pelletwerk und ein Biomasse-Kraftwerk offiziell eröffnet. Die Pellets reichen rechnerisch für rund 20.000 Haushalte, und der Ort bekommt Wärme dazu.
Zwei Anlagen, ein Kreislauf
Die THEURL HOLZ ASSLING GmbH hat am 18. September 2026 an ihrem Standort in Osttirol zwei Großprojekte feierlich in Betrieb genommen: ein Pelletwerk und eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, kurz KWK. Rund 110 Gäste, darunter Vertreter der beteiligten Baufirmen, waren zur Eröffnung geladen. Angekündigt hatte das Unternehmen die beiden Vorhaben im Sommer 2024 mit einem Investitionsvolumen von rund 70 Millionen Euro.
Die Idee dahinter ist ein geschlossener Kreislauf. Im Sägewerk fallen jeden Tag Späne, Rinde und Hackgut an. Statt diese Reste zu verkaufen oder zu entsorgen, verarbeitet THEURL sie nun selbst weiter: Sägespäne und Holzreste werden zu Pellets gepresst, Rinde und Waldhackgut befeuern das Kraftwerk.
Die Eckdaten der neuen Anlagen
- Pelletwerk: rund 80.000 Tonnen Pellets pro Jahr, genug für etwa 20.000 Haushalte
- KWK-Anlage: 4 Megawatt elektrische und 12 Megawatt thermische Leistung
- Strom: deckt den Bedarf beider Betriebsstandorte in Assling
- Wärme: Holztrocknung im Werk sowie Fernwärme für den Ortsteil Thal
- Arbeitsplätze: rund 20 neue Stellen in der Region
Die Abwärme des Kraftwerks wird zunächst im eigenen Betrieb gebraucht, um Schnittholz zu trocknen. Darüber hinaus versorgt sie den Ortsteil Thal mit Fernwärme. Bereits bei der Ankündigung hatte das Unternehmen zugesagt, das örtliche Schwimmbad kostenlos mit Wärme zu beliefern.
Vom Spatenstich bis zur Eröffnung
Gebaut wurde seit September 2024. Die ersten Pellets liefen am 2. Oktober 2025 vom Band, im August 2026 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Die Geschäftsführer Stefan und Hannes Theurl hoben bei der Eröffnung die zweijährige enge Zusammenarbeit mit den Partnerfirmen hervor und betonten, dass der Betrieb seine Ressourcen nun deutlich effizienter nutze. Ein erklärtes Ziel war von Beginn an, sich weitgehend unabhängig von externen Energielieferanten zu machen.
Die Pellets sollen vor allem in der Region verkauft werden. Als Absatzgebiet nennt das Unternehmen Osttirol, Südtirol, Oberkärnten, den Pinzgau und das Tiroler Unterland. Ein angeschlossenes Lager soll helfen, Nachfragespitzen in der Heizsaison abzufedern. Weil der Rohstoff direkt aus dem eigenen Sägewerk kommt, entfallen zudem lange Transportwege für das Ausgangsmaterial.
Ein Familienbetrieb in dritter Generation
THEURL verarbeitet seit mehr als 90 Jahren Holz und wird inzwischen in dritter Generation geführt. Die Gruppe hat Standorte in Osttirol und Kärnten, beschäftigte zum Zeitpunkt der Projektankündigung rund 400 Menschen und setzte 2023 etwa 153 Millionen Euro um. Hergestellt werden Schnittholz, Hobelware sowie Massivholzprodukte für den Holzbau wie Brettschichtholz und Brettsperrholz.

Was Verbraucher daraus mitnehmen können
Für Haushalte mit Pelletheizung in Tirol, Kärnten, Salzburg und Südtirol kommt ein weiterer regionaler Anbieter mit kurzen Transportwegen hinzu. Wer vor dem Winter Pellets bestellt, sollte wie gewohnt Preise vergleichen und auf Qualitätsnachweise wie gängige Pellet-Zertifizierungen achten, die der Händler angeben kann. Für Leser in Deutschland zeigt das Projekt, wie Holzbetriebe Reststoffe verwerten und sich damit gegen schwankende Energiepreise wappnen. Ein Modell, das in waldreichen Regionen beider Länder Schule machen könnte.



