Die Kassen haben im ersten Halbjahr zwar ein Plus gemacht, doch die Ausgaben steigen fast doppelt so schnell wie die Einnahmen. Mitte Oktober wird festgelegt, wie hoch der Zusatzbeitrag 2027 ausfällt, und ab Januar greifen höhere Zuzahlungen.
Halbjahresbilanz: Überschuss mit Beigeschmack
Laut Bundesgesundheitsministerium haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2026 einen Überschuss von rund 2,6 Milliarden Euro erzielt. Nach Angaben des Ministeriums liegt das vor allem an den Beitragserhöhungen zum Jahresanfang. Das Geld fließt in erster Linie in die Rücklagen. Die lagen Ende Juni bei etwa 7,5 Milliarden Euro, das entspricht nur rund 0,2 Monatsausgaben und damit gerade der gesetzlichen Mindestreserve.
Das eigentliche Problem liegt in der Dynamik. Die Leistungsausgaben samt Verwaltungskosten wuchsen um 7,1 Prozent, die Beitragseinnahmen ohne Zusatzbeiträge nur um 4,1 Prozent. Besonders stark stiegen laut Ministerium die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit einem Plus von 9,3 Prozent. Der durchschnittlich tatsächlich erhobene Zusatzbeitrag lag im Juni bei 3,13 Prozent und damit über den 2,9 Prozent, die für 2026 als Durchschnittswert festgelegt worden waren.
Zusatzbeitrag 2027: Entscheidung Mitte Oktober
Wie viel Versicherte im kommenden Jahr zahlen, hängt zunächst am Schätzerkreis. In diesem Gremium sitzen Fachleute des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesamts für Soziale Sicherung und des GKV-Spitzenverbands. Es prognostiziert jedes Jahr im Oktober Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr. Darauf aufbauend legt das Ministerium den durchschnittlichen Zusatzbeitrag fest, an dem sich die Kassen orientieren. Den tatsächlichen Satz bestimmt jede Kasse selbst.
Die Bundesregierung will den Durchschnitt 2027 bei 2,9 Prozent halten. Dafür soll das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sorgen, das Bundestag und Bundesrat am 10. Juli 2026 verabschiedet haben. Nach Angaben des Bundestags soll es die Kassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, und zwar größtenteils über Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmaindustrie.
Was sich für Versicherte in Deutschland ändert
Ein Teil der Reform trifft Versicherte direkt:
- Zuzahlungen: Ab 2027 steigen sie um 50 Prozent. Bei Arzneimitteln liegen sie dann bei mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro statt bisher 5 bis 10 Euro. Die Belastungsgrenze von zwei Prozent, bei chronisch Kranken einem Prozent des Bruttoeinkommens bleibt.
- Beitragsbemessungsgrenze: Sie steigt 2027 einmalig um zusätzlich 300 Euro im Monat. Gutverdiener zahlen dadurch mehr.
- Familienversicherung: Für mitversicherte Ehe- und Lebenspartner soll nach Angaben der DAK ab 2028 ein Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten anfallen. Ausgenommen bleiben unter anderem Partner, die Kinder unter zwölf Jahren betreuen oder Angehörige pflegen.
- Zahnersatz: Der Grundzuschuss der Kassen sinkt ab 2027.
Österreich: Rezeptgebühr bleibt eingefroren
In Österreich ist die Lage für Patienten ruhiger. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hält die Rezeptgebühr 2026 unverändert bei 7,55 Euro. Die Obergrenze für Rezeptgebühren soll schrittweise von zwei auf 1,625 Prozent des Jahresnettoeinkommens bis 2029 sinken. Seit Jänner 2026 zählen auch verordnete Mittel, die billiger als die Rezeptgebühr sind, bei der Berechnung dieser Obergrenze mit. Die Anpassung läuft automatisch, ein Antrag ist nicht nötig.
Was Verbraucher jetzt tun können
Gesetzlich Versicherte in Deutschland sollten im Herbst die Post ihrer Kasse genau lesen. Erhöht eine Kasse den Zusatzbeitrag, muss sie darüber informieren, und Versicherte haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Ein Wechsel lohnt sich vor allem bei großen Beitragsunterschieden, Zusatzleistungen und Service sollten aber mitbedacht werden. Wer regelmäßig Medikamente braucht, kann Quittungen sammeln und prüfen, ob die Belastungsgrenze erreicht wird und eine Befreiung möglich ist. Belastbare Zahlen für 2027 gibt es erst nach dem Schätzerkreis Mitte Oktober. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



