Angebliche Sperrungen, auslaufende Apps, versprochene Erstattungen: Mitte September sind gleich mehrere neue Betrugsmails im Umlauf, die es auf Zugangsdaten und Kontoinformationen abgesehen haben. Die Absender geben sich als Banken, Steuerverwaltung oder Rentenversicherung aus. Wer die Tricks kennt, fällt seltener darauf herein.
Mehrere neue Maschen in wenigen Tagen
Das Phishing-Radar der Verbraucherzentralen hat zwischen dem 11. und 18. September eine Serie neuer Kampagnen gemeldet. Die Verbraucherzentrale NRW sprach Mitte September von sechs neuen Phishing-Wellen innerhalb nur einer Woche. Betroffen sind Kunden großer Institutsgruppen ebenso wie Nutzer staatlicher Portale. Die genannten Unternehmen und Behörden sind dabei nicht Täter, sondern werden von den Kriminellen lediglich als Absender vorgetäuscht.
Was in den gefälschten Mails steht
Die Nachrichten ähneln sich im Aufbau, variieren aber im Vorwand. Nach den Warnungen der Verbraucherschützer kursieren derzeit unter anderem diese Varianten:
- Angebliche Sparkassen-Mails verlangen, die Zugangsdaten für das Freigabeverfahren per App zu bestätigen, um den Dienst weiter nutzen zu können.
- Im Namen der Postbank wird gefordert, persönliche Daten für die Freigabe-App binnen zwei Tagen zu bestätigen.
- Vermeintliche Schreiben der Volks- und Raiffeisenbanken drohen mit einer vorübergehenden Einschränkung des Zugangs, falls Adresse und Kontaktdaten nicht überprüft werden.
- Eine gefälschte ELSTER-Nachricht behauptet, gespeicherte Steuerdaten wichen von Registern ab, und fragt nach Bankverbindung und Steuer-Identifikationsnummer.
- Eine angebliche Mail der Deutschen Rentenversicherung verspricht eine Rückzahlung von 387,44 Euro für zu viel gezahlte Beiträge und setzt eine Frist von 30 Tagen.
Das Muster hinter den Tricks
Fast alle Mails arbeiten mit Zeitdruck. Mal droht eine Sperre, mal verfällt angeblich ein Anspruch. Typisch sind außerdem eine unpersönliche oder fehlende Anrede, Absenderadressen, die nicht zur echten Domain des Instituts passen, und ein Link zu einer Seite, auf der Daten eingegeben werden sollen. In einem Fall warnt die Mail sogar selbst davor, Daten über Links einzugeben, und liefert den Link gleich darunter.
Neu ist, dass einige Maschen statt eines klassischen Links einen QR-Code nutzen. Wer ihn mit dem Handy scannt, landet ebenfalls auf einer gefälschten Seite. Der Vorteil für die Betrüger: Auf dem kleinen Bildschirm fällt eine falsche Internetadresse weniger auf, und manche Spamfilter erkennen den Code nicht als Link.
Banken fordern ihre Kunden grundsätzlich nicht per E-Mail oder SMS auf, Zugangsdaten, PIN oder TAN über einen Link einzugeben. Auch Finanzverwaltung und Rentenversicherung verschicken Bescheide und Erstattungen nicht auf diesem Weg mit der Bitte um Kontodaten.
Auch Österreich ist betroffen
Phishing kennt keine Landesgrenzen. Auch in Österreich tauchen regelmäßig Mails und SMS im Namen von Banken, der Finanzverwaltung oder Paketdiensten auf. Einen laufenden Überblick über aktuelle Betrugsmaschen bietet dort die Informationsplattform Watchlist Internet, in Deutschland das Phishing-Radar der Verbraucherzentralen.
Was Verbraucher jetzt tun können
- Keine Links in unerwarteten Mails anklicken, sondern das Onlinebanking immer selbst über die bekannte Adresse oder die offizielle App aufrufen.
- Bei Zweifeln die Bank über die Nummer auf der Karte oder der eigenen Website anrufen, nicht über Kontaktdaten aus der Mail.
- Wer bereits Daten eingegeben hat, sofort die Bank informieren und den Zugang sperren lassen, etwa über den Sperr-Notruf 116 116 in Deutschland.
- Kontoauszüge in den folgenden Wochen genau prüfen und verdächtige Buchungen umgehend melden, zusätzlich Anzeige bei der Polizei erstatten.



