Bund und Länder wollen Benzin und Diesel ab 1. Oktober wieder steuerlich entlasten: rund 17 Cent pro Liter, befristet bis Silvester. Ob der Rabatt vollständig an der Zapfsäule ankommt, ist nach den Erfahrungen aus dem Frühjahr aber keineswegs sicher.
Was Bund und Länder beschlossen haben
Am Freitag, 18. September 2026, haben sich Bundesregierung, Länder und die Koalitionsfraktionen auf einen neuen Tankrabatt geeinigt. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel soll vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 um 14 Cent je Liter sinken. Weil auf die Energiesteuer zusätzlich Umsatzsteuer fällt, summiert sich die mögliche Entlastung an der Tankstelle auf etwa 17 Cent pro Liter. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären das rund 8,50 Euro.
Die Kosten beziffert die Bundesregierung auf etwa 2,5 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder je zur Hälfte teilen. Als Grund nennt sie die stark gestiegenen Preise infolge der Eskalation im Nahen Osten, die vor allem Pendler, Selbstständige und Familien treffe. Ab dem 1. Januar 2027 soll dann ein befristeter Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Belgiens oder Luxemburgs folgen, über den die Regierung mit der Mineralölwirtschaft sprechen will.
Der Zeitplan ist extrem knapp
Noch ist der Rabatt nicht Gesetz. Die Einigung muss erst in eine Änderung des Energiesteuergesetzes gegossen werden, der Bundestag und Bundesrat zustimmen müssen. Nach Berichten des ZDF soll das Kabinett den Entwurf im schriftlichen Verfahren billigen, der Bundestag ihn noch in dieser Woche in erster Lesung beraten und am Freitag beschließen, der Bundesrat direkt im Anschluss entscheiden. Damit das klappt, braucht es im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit für die Verkürzung der üblichen Fristen.
Was der Frühjahrsrabatt gezeigt hat
Einen Tankrabatt in gleicher Höhe gab es bereits vom 1. Mai bis 30. Juni 2026. Das Bundeskartellamt hat im Juli ausgewertet, wie viel davon bei den Kunden ankam. Das Ergebnis: überwiegend, aber nicht vollständig. Von den 16,7 Cent Entlastung wurden bei Diesel im Schnitt 13,8 Cent weitergegeben, also 82,6 Prozent. Bei Super E5 waren es 13,0 Cent oder 77,8 Prozent. Die Lücke entstand laut Behörde vor allem an der Tankstelle selbst, deren Bruttomarge im Vergleich zum ersten Quartal spürbar stieg.
Eine Pflicht zur Weitergabe gibt es nicht. Das Bundesfinanzministerium stellt klar, dass es an den Kraftstofflieferanten liegt, die niedrigere Steuer an die Endkunden durchzureichen. Heizöl ist von der Senkung ausgenommen, sie gilt nur für Kraftstoffe im Straßenverkehr.
Rekordpreise in Deutschland und Österreich
Der Druck ist groß: Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 am 17. September im Bundesschnitt 2,308 Euro, Diesel 2,471 Euro. Beide Werte sind Allzeithochs. Auch in Österreich meldet der ÖAMTC Rekorde: Diesel erreichte am 16. September einen Tagesschnitt von 2,268 Euro je Liter und übertraf damit den bisherigen Höchstwert aus dem März. Super lag mit 1,959 Euro noch rund 14 Cent unter dem Rekord vom Juni 2022. Eine vergleichbare Steuersenkung gibt es in Österreich derzeit nicht, der Autofahrerclub fordert unter anderem eine niedrigere Mineralölsteuer.
Was Autofahrer jetzt tun können
- Nicht auf Vorrat tanken, wenn der Tank nicht leer ist: Ab 1. Oktober dürfte es günstiger werden, sofern das Gesetz rechtzeitig beschlossen wird.
- Die Uhrzeit nutzen: In Deutschland dürfen Tankstellen seit April 2026 die Preise nur einmal täglich um 12 Uhr anheben. Das Kartellamt rät, kurz vor Mittag oder ab etwa 18 Uhr zu tanken, weil die Preise direkt nach 12 Uhr deutlich springen.
- In Österreich empfiehlt der ÖAMTC, eher vormittags zu tanken und Autobahntankstellen zu meiden.
- Preise vergleichen: In beiden Ländern zeigen Apps und Webseiten der Autoclubs die aktuellen Preise in der Umgebung.
Ob der neue Rabatt besser ankommt als der erste, werden Kartellamt und Monopolkommission erneut beobachten. Für Verbraucher lohnt es sich, in den ersten Oktobertagen genau auf die Preistafeln zu schauen.



