US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag ein spektakuläres Handelsabkommen mit Japan angekündigt. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, dass Japan sich verpflichtet habe, rund 550 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren. Im Gegenzug sollen die USA die angedrohten Autozölle von 25 auf 15 % senken. Trump bezeichnete das Abkommen als „vielleicht größten Deal aller Zeiten“.
Das ist das Ziel des Mega-Deals
Ziel des Deals sei es laut Trump, „Hunderttausende neuer Jobs“ in den USA zu schaffen. Neben Investitionen soll Japan auch mehr US-Produkte importieren – darunter Autos, Lastwagen, Reis und weitere landwirtschaftliche Güter. In Trumps Worten: eine „gegenseitige Öffnung“ des Handels, von der vor allem die USA profitieren sollen.
Die Autoindustrie im Fokus
Die japanische Regierung hatte besonders ein Interesse daran, die Strafzölle auf Autoexporte zu reduzieren. Etwa ein Viertel aller japanischen Exporte in die USA stammen aus der Automobilbranche. Die Aussicht auf höhere Zölle hatte in den vergangenen Monaten zu massiven Kursverlusten bei Autoherstellern geführt. So verlor Toyota seit Jahresbeginn über 22 % an Börsenwert, bei Nissan waren es sogar über 40 %.
Die Erleichterung nach der Ankündigung war an den Börsen sofort spürbar. Der Nikkei-Index stieg um über 3 % auf 41.071 Punkte. Die Aktien von Toyota legten um mehr als 14 % zu, Honda gewann über 11 %, Nissan 90 %. Auch kleinere Hersteller wie Mazda und Subaru verzeichneten zweistellige Kursgewinne.

Politisches Erdbeben in Tokio
Während Trump den Deal feierte, sorgte die Nachricht in Japan für politische Turbulenzen. Medien berichten, dass Premierminister Shigeru Ishiba seinen Rücktritt bis Ende August plane. Der Grund: Seine regierende Koalition aus der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und der kleineren Komeito-Partei hatte am Sonntag die Mehrheit im Oberhaus verloren – ein empfindlicher Schlag.
Ishiba äußerte sich zunächst zurückhaltend. Auf Fragen zum Einfluss des Deals auf seine Zukunft sagte er lediglich, er wolle das Abkommen erst vollständig prüfen. Dennoch mehren sich die Stimmen innerhalb der Partei, die seinen Rücktritt fordern. Für die LDP ist der Verlust der Parlamentsmehrheit ein Signal wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung – insbesondere auf dem Land, wo die Lockerung der Agrarschutzmaßnahmen Sorgen auslöst.
Ein Abkommen unter Zeitdruck
Der Deal mit Japan ist Teil einer größeren US-Handelsstrategie. Seit April droht Washington mehreren Ländern mit Strafzöllen und hatte eine 90-tägige Frist gesetzt, um individuelle Vereinbarungen zu treffen. Diese Frist endet am 1. August. Japan und andere Länder hatten in dieser Zeitspanne intensive Verhandlungen geführt.
Die Europäische Union steht aktuell noch ohne Einigung da. Die Gespräche mit der EU seien laut Trump „langsam und schwierig“, ein Durchbruch steht noch aus. Das zeigt: Die USA wollen rasch klare Handelsvorteile sichern – notfalls bilateral.
Wirtschaftlicher Erfolg mit Risiken
Während das Abkommen wirtschaftlich kurzfristig als Erfolg gefeiert wird, warnen Experten vor den langfristigen Folgen. Michiaki Tanaka, Wirtschaftswissenschaftler an der Technischen Universität Japans, sieht Risiken für die landwirtschaftliche Selbstversorgung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes. Der Importdruck auf empfindliche Branchen könne die ländlichen Regionen zusätzlich destabilisieren.
Auch politisch bringt der Deal Unsicherheit. Sollte Ishiba wie erwartet zurücktreten, steht Japan vor einer offenen Nachfolgefrage – in einer Phase, in der Stabilität besonders gefragt wäre.
Trump inszeniert sich als Dealmaker
Typisch für Trump war auch der selbstbewusste Tonfall. Er sprach von hitzigen Verhandlungen im Weißen Haus und ließ keine Gelegenheit aus, sich vom politischen Gegner abzugrenzen: „Stellen Sie sich vor, Biden müsste das machen.“ Lob gab es für Japans Verhandlungsführer Ryosei Akazawa, den Trump als „klug und scharfsinnig“ bezeichnete. Akazawa selbst kommentierte auf X knapp: „Mission erfüllt.“
Ein Deal mit doppelter Wirkung
Das Handelsabkommen zwischen den USA und Japan zeigt deutlich, wie eng wirtschaftliche und politische Entwicklungen miteinander verflochten sind. Für Trump ist es ein Prestigeerfolg. Für Japan bedeutet es wirtschaftliche Erleichterung, aber politische Instabilität. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Deal langfristig trägt oder nur ein kurzfristiges Aufatmen bringt.




