Heute ist Welt-Alzheimertag. Nach Einschätzung einer internationalen Fachkommission hängt fast die Hälfte aller Demenzfälle mit Faktoren zusammen, die sich beeinflussen lassen. Was offizielle Stellen in Deutschland und Österreich dazu sagen und wo die Grenzen dieser Zahl liegen.
Aktionswoche unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“
Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nutzt ihn 2026 als Auftakt der Woche der Demenz, die bis zum 27. September läuft. Das Motto soll zeigen, dass Demenz nicht nur Hochbetagte betrifft und schon heute das Zusammenleben vieler Familien prägt. Kliniken, Kommunen, Verbände und Krankenkassen laden in beiden Ländern zu Informationsveranstaltungen ein.
Die Zahlen: Deutlich mehr Betroffene erwartet
In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Für Österreich nennt der Demenzbericht 2025 des Sozialministeriums etwa 170.000 Betroffene, knapp zwei Drittel davon Frauen. Bis 2050 könnte die Zahl in Österreich auf mehr als 290.000 steigen. Weltweit rechnet die Alzheimer Gesellschaft mit einem Anstieg von rund 55 auf etwa 139 Millionen Menschen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit. Der wichtigste Grund für den Anstieg ist, dass die Bevölkerung älter wird.
14 Risikofaktoren und die 45-Prozent-Zahl
Viel zitiert wird eine Zahl aus dem Bericht der Lancet-Kommission von 2024: Rund 45 Prozent der Demenzfälle weltweit ließen sich theoretisch verhindern oder hinauszögern, wenn 14 bekannte Risikofaktoren ganz wegfielen. Sowohl der österreichische Demenzbericht als auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft greifen diese Schätzung auf. Zu den Faktoren zählen:
- geringe Bildung in jungen Jahren
- Hörverlust und unbehandelter Sehverlust im Alter
- Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und ein hohes LDL-Cholesterin ab dem mittleren Lebensalter
- Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel
- Depression und soziale Isolation
- Kopfverletzungen und Luftverschmutzung
Die Zahl ist eine Modellrechnung auf Bevölkerungsebene. Sie sagt nicht, dass ein einzelner Mensch sein Risiko um fast die Hälfte senken kann. Manche Faktoren lassen sich kaum allein beeinflussen, etwa Luftqualität oder Bildungschancen in der Kindheit. Außerdem beruhen viele Zusammenhänge auf Beobachtungsstudien, die keine eindeutigen Ursachen belegen. Das Alter und genetische Anlagen bleiben die stärksten Risikofaktoren.
Was Fachgesellschaften zur Vorbeugung sagen
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft fasst ihre Hinweise zur Vorbeugung in allgemeinen Punkten zusammen. Dazu gehören soziale Kontakte, geistige Neugier, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung. Sie rät außerdem, auf Rauchen zu verzichten und mit Alkohol zurückhaltend zu sein, den Kopf zu schützen und Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes gut einstellen zu lassen. Wer schlecht hört oder sieht, sollte das abklären lassen. Laut Fachgesellschaft ist es für solche Schritte nie zu früh und auch nie zu spät.
Was Verbraucher jetzt tun können
Wer sich um sein eigenes Gedächtnis oder das eines Angehörigen sorgt, findet in beiden Ländern Anlaufstellen, etwa das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder in Österreich Angebote im Rahmen der Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“. Die Aktionswoche bietet zudem vielerorts Vorträge und Beratung. Bei auffälligen Gedächtnisproblemen ist die Hausarztpraxis die erste Adresse. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



