Die Baubranche in der Krise

Drei Männer mit Schutzkleidung halten einen Plan in ihren Händen und diskutieren miteinander
Inhaltsverzeichnis

Die Baubranche in Österreich ist im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 % geschrumpft. Viele Handwerker sind davon betroffen. Jetzt diskutiert die österreichische Bundesregierung über unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten. Was kann tatsächlich helfen, damit die Bauwirtschaft nicht weiter schrumpft?

Baubranche in der Rezession

Nach dem Bauboom der letzten Jahre steckt die Branche in einer Krise. Man spricht sogar davon, dass sich Gewerbe und Handwerk in einer tiefen Rezession befinden. Der Grund liegt darin, dass diese Gewerbe eng mit der Bauwirtschaft verbunden sind. Diese ist für mindestens die Hälfte der Umsätze verantwortlich. Zurzeit stehen viele Baustellen still.

Daher haben auch Dachdecker, Installateure und Fliesenleger weniger Aufträge. Die Stimmungskurve erfährt einen Abwärtstrend. Bereits im Vorjahr entwickelte sich die Baubranche rückläufig. Die Betriebe verzeichneten ein reales Umsatzminus von 5,6 %. In Summe konnten 129,7 Milliarden Euro erwirtschaftet werden.

aufgemauerte Betonziegelsteine; davor eine Maurer mit einer Maurerkehle und einer gelben Schutzweste

Handwerkerbonus

Für Handwerksleistungen von österreichischen Betrieben gibt es derzeit für Haushalte eine Förderung bis zu 2.000 Euro und das sogar rückwirkend. Der Handwerkerbonus ist ein finanzieller Zuschuss für handwerkliche Leistungen. Dabei wird die Arbeit von professionellen Handwerkern mit entsprechender Gewerbeberechtigung und Niederlassung oder Sitz im Inland gefördert.

Beantragt werden können diese Förderungen für Renovierungs- sowie Modernisierungsarbeiten an privat genutztem Wohnraum, aber auch für Zu- und Neubauten. Damit möchte die österreichische Bundesregierung in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Auch der „Pfusch“, wie Schwarzarbeit oft bezeichnet wird, soll damit eingedämmt werden. Der Zuschuss beträgt 20 % der Kosten für die Handwerksarbeit.

Weitere Hilfspakete für die Baubranche

Zusätzlich zum Handwerkerbonus bekommen die Länder neue Möglichkeiten, günstige Wohnkredite anzubieten. Auch ökologische Sanierungen werden extra gefördert. Zusätzlich wird 1 Milliarde Euro in den gemeinnützigen Wohnbau investiert. Damit sollen insgesamt 20.000 neue Wohnungen geschaffen werden. Im Rahmen einer ökologischen Sanierung gibt es auch steuerliche Anreize.

So erhalten Vermieter, die einen Heizkesseltausch durchführen, bereits Begünstigungen. Sollten jetzt auch die Dämmung verbessert, Fenster getauscht oder ähnliche Maßnahmen getätigt werden, die den Energieverbrauch senken, gibt es einen abzugsfähigen Zuschlag von 15 % zu den angefallenen Ausgaben. Die Kosten für die Maßnahme, die der österreichische Staat trägt, werden auf 300 Millionen geschätzt.

Warum sind all diese Unterstützungen notwendig?

Im Jahr 2023 stand die Baubranche vor gewaltigen globalen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Inflation stieg rasant und auch die steigenden Zinsen setzten dem Wirtschaftssektor sehr zu. Insbesondere der Neubaubereich war stark betroffen. Positiv war zumindest, dass sich die Lieferengpässe nach den Turbulenzen im Jahr 2022 wieder besserten.

Dafür stiegen die Materialkosten enorm an. Auch der Mangel an Fachkräften nahm zu. Zusätzlich belasteten die gestiegenen Lohn- und Zinskosten die Unternehmen. Diese Entwicklungen spiegeln sich in den Auftragsbüchern wider. Die gesamte Branche spricht von einer deutlichen Verschlechterung. Baugenehmigungen sind im Zeitraum von Jänner bis September 2023 um 28 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Dies war auch wieder bedingt durch die hohen Baukosten und ungünstigen Finanzierungsbedingungen.

Blick in die Zukunft der Baubranche: Wie könnte eine Prognose aussehen?

Die Prognosen für die Bauwirtschaft sind derzeit schwer zu treffen. Der Grund liegt in der ungewissen wirtschaftlichen Gesamtsituation. Eine Lockerung in der Geldpolitik und eine deutliche Zinswende sind für viele Experten absehbar. Spätestens im vierten Quartal 2024 sollte es zu den ersten Leitzinssenkungen von Seiten der EZB kommen. Die Kerninflation bliebe aber trotzdem noch hoch. Auch die gestiegenen Energiekosten werden die Branche langfristig weiter belasten. Material wird teuer bleiben, die Lohnkosten werden noch weiter steigen. Also keine wirklich rosigen Aussichten für die gesamte Branche. Der Fachkräftemangel verstärkt das Negativ-Szenario noch weiter.

braune Holzplatten auf der vier Rädchen liegen in verschiedenen Farben. Ein Zeigefinger liegt auf einem roten Rädchen

Lösungen für die Branche

Der Handwerkerbonus ist eine der Möglichkeiten, die für eine Lösung angeboten werden. Auch alternative Lösungen rund um Ressourceneinsparung und Prozessoptimierung in allen Bereichen der Bauwirtschaft werden in Zukunft immer wichtiger. Experten sprechen von der Digitalisierung der Baubranche. Ab 2025 ist wieder mit Wachstum zu rechnen, bzw. vorsichtiger ausgedrückt: mit einer beginnenden Erholung in allen Sektoren. Dazu müssen aber die Baupreissteigerungen in allen Bereichen deutlich gedämpft werden.

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