Dr. Oetker vergrößert sich als Konkurrenz zu Nestlé

Verpackung der Pizza Ristorante von Dr. Oetker
ullstein bild Dtl./ullstein bild via Getty Images
Inhaltsverzeichnis

Der Nahrungsmittelkonzern Dr. Oetker hat nach einer Entscheidung des deutschen Bundeskartellamts die Erlaubnis bekommen, den Markt für Tiefkühlpizzen mit dem Konkurrenten Galileo zu verstärken. Mit dieser Entscheidung kann Dr. Oetker den Tiefkühlpizza-Hersteller Galileo offiziell übernehmen. 

Prüfung durch das Kartellamt 

Durch die neu erteilte Erlaubnis des Bundeskartellamts wird Dr. Oetker ein noch stärkerer Konkurrent für Nestlé. Auch neue Hersteller dürfen Produkte im Bereich der Tiefkühlkost durch diese neue Regelung anbieten. Der Beschluss beruht darauf, dass das Kartellamt die Meinung vertritt, dass es zu einer „spürbaren Dynamik“ im Pizzen-Markt gekommen ist. Kartellamtschef Andreas Mundt sagt: „Die Marken der Platzhirsche sind durch neue Konkurrenz unter Druck geraten.“

Entwicklungen von Dr. Oetker bisher

Dr. Oetker ist in Deutschland Marktführer bei Tiefkühlpizzen. Die folgende Statistik zeigt, dass die bekanntesten Tiefkühlpizzen die „Dr. Oetker Ristorante“ mit einem Markenbekanntheitsgrad von 92 % und die „Dr. Oetker Die Ofenfrische“ mit einem Bekanntheitsanteil von 91 % sind. Wagner, zur Nestlé-Gruppe gehörend, kommt erst auf Platz drei und hat einen Bekanntheitsgrad von 88 %.

Statistik: Ranking der wichtigsten Tielkühlpizza-Marken in Deutschland nach Markenbekanntheit im Jahr 2022

Rasante Umsatzentwicklung bei Dr. Oetker

Die folgende Grafik zeigt den Umsatz der Dr. Oetker GmbH im Zeitraum von 2008 bis 2022. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete die Dr. Oetker GmbH einen Umsatz von vier Milliarden Euro. Damit konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. Die Geschäfte laufen auch im Jahr 2023 sehr gut. Das Unternehmen hatte in der Pandemie Probleme mit den Lieferketten und litt auch an den Folgen des Ukraine-Krieges. Als Ergebnis dieser Probleme mussten die Beschaffungskosten mit Preiserhöhungen kompensiert werden. Doch die Kunden haben dies offensichtlich akzeptiert. Das Familienunternehmen Dr. Oetker gibt traditionsgemäß nie Gewinne bekannt. 

Statistik: Umsatz der Dr. Oetker GmbH im Zeitraum von 2008 bis 2022 (in Millionen Euro)

„Galileo“ wird ins Sortiment aufgenommen

Die Genehmigung des deutschen Kartellamts ermöglicht es, dass Dr. Oetker nun „Galileo“ im Segment der Tiefkühl-Minipizzen aufnimmt. Dieses Produkt sollte fast ausschließlich unter den Handelsmarken der Lebensmitteleinzelhändler vertrieben werden.  Dennoch handelt es sich hier nicht um eine Duopol-Stellung von Oetker und Nestlé-Wagner. Im Jahr 2016 drängte der Hersteller Gustavo Gusto auf den Markt und konnte schnell Anteile gewinnen. In der obigen Statistik ist ersichtlich, dass Gustavo Gusto bereits auf Platz 7 liegt und die Marke 61 % der Befragten bekannt ist. 

Nestlé profitierte von Preiserhöhungen 

Die Inflation ist derzeit sehr hoch. Doch auch Nestlé kommt gut durch die Krise. Nestlé, auch als Lebensmittelriese bezeichnet, konnte in unterschiedlichen Segmenten Gewinne verbuchen. Die Süßware „Kitkat“ legte an Umsatz zu. Auch der Haustierboom sorgte für eine steigende Nachfrage nach Tierfutter. Dies schlug sich mit 3,5 % Umsatzplus zu Buche. Insgesamt kam Nestlé bis jetzt mit einem kleinen Umsatzrückgang von 0,5 % bestens durch die Krise. Die Konsumenten haben die Preiserhöhungen in Höhe von 9,8 % „geschluckt“. Die folgende Grafik zeigt, dass Nestlé im Jahr 2022 allein in Nordamerika einen Umsatz von 26,33 Milliarden Schweizer Franken machte. In Europa erwirtschaftete das Unternehmen 19,13 Milliarden Schweizer Franken.

Statistik: Umsatz von Nestlé weltweit nach Segmenten im Jahr 2022 (in Milliarden Schweizer Franken)

Kritik an Nestlé

Der Nahrungsmittelkonzern gerät immer wieder in Kritik. Kinderarbeit, Abholzung des Regenwaldes, ungesunde Babynahrung, Tierversuche, gentechnisch veränderte Lebensmittel und Ausbeutung der weltweiten Wasserressourcen werden dem Unternehmen vorgeworfen. Der Konzern verkauft mehr als 2.000 Marken und ist in 190 Ländern vertreten. In jedem Supermarkt finden sich tausende Produkte von Nestlé-Marken. Nestlé nimmt zu solchen Vorwürfen selten Stellung. Wenn, dann wird Besserung gelobt, aber wenig getan. Kritik gehört für das Unternehmen einfach dazu. Die Konsumenten beschweren sich auf der einen Seite. Das Einkaufsverhalten wird dennoch nicht geändert. So können weitere Gewinne gemacht werden. 

Fazit: Dr. Oetker und Nestlè gehören definitiv zu den großen Lebensmittelplayern im DACH-Raum. Durch die Regelung des Kartellamtes wird der Konkurrenzdruck erhöht. Damit haben auch andere Player die Möglichkeit, auf diesem heiß umkämpften Markt einzusteigen.

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