Nokia will bis zu 14.000 Jobs streichen

NOKIA in Großbuchstaben auf dem Dach eines Gebäudes
Jens Koch/Getty Images News via Getty Images
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Nokia plant, nach einem deutlichen Gewinneinbruch im vergangenen Quartal, konzernweit bis zu 14.000 Stellen abzubauen. Ziel ist es, bis 2026 zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarden Euro einzusparen, wie das Unternehmen am 19. Oktober 2023 bekanntgab. Der Nettoumsatz sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 6,24 Milliarden auf 4,98 Milliarden Euro. Diese Entwicklung wurde durch schwache Umsätze im Bereich der 5G-Ausrüstung, insbesondere in Nordamerika, beeinträchtigt.

Das Unternehmen Nokia

Gegründet im Jahr 1865, hat sich Nokia zu einem weltweit führenden Anbieter in der Telekommunikationsbranche entwickelt. Nach dem Verlust seiner marktbeherrschenden Rolle im Smartphone-Sektor ab 2010 konzentrierte sich das Unternehmen vornehmlich auf die Netzwerksparte und gehört hier zu den Weltmarktführern. Das Unternehmen erzielte im Jahr 2022 einen Umsatz von rund 24,9 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit knapp 87.000 Mitarbeiter.

Nokia hat bereits steilen Abwärtstrend hinter sich

Zwischen 2007 und 2013 durchlief Nokia eine bedeutende Transformationsphase, die geprägt war von Herausforderungen und strategischen Veränderungen. 2007 war das Unternehmen noch der unangefochtene Marktführer im Mobiltelefonmarkt. Bekannt waren besonders die innovativen Handys und das Symbian-Betriebssystem. Jedoch begann mit dem Aufkommen von Smartphones, insbesondere nach der Einführung des iPhones im Jahr 2007 und der folgenden Popularität von Android-Geräten, ein stetiger Rückgang des Marktanteils von Nokia.

Im Jahr 2011 unternahm das Unternehmen unter der Leitung des neuen CEOs Stephen Elop einen wichtigen strategischen Schritt. Es ging eine Partnerschaft mit Microsoft ein und begann, Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone zu produzieren. Diese Entscheidung führte jedoch nicht zu dem erhofften Umschwung. Nokias Marktanteil im Smartphone-Segment blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

Handy von Nokia mit NOKIA Logo auf dem Display und zwei Händen dazu
Nokia/Getty Images News via Getty Images

Bis zum Jahr 2013 sank der Marktanteil im Smartphone-Bereich drastisch. Das Unternehmen sah sich zunehmend finanziellen Schwierigkeiten gegenüber. Im September 2013 gab Nokia schließlich bekannt, dass seine Mobiltelefonsparte von Microsoft übernommen werden würde. Diese Übernahme markierte das Ende einer Ära für das Unternehmen als unabhängigen Handyhersteller und leitete eine neue Phase ein, in der sich das Unternehmen verstärkt auf Netzwerkausrüstungen und Dienstleistungen konzentrierte.

Die folgende Statistik zeigt die Entwicklung des Marktanteils von Nokia am weltweiten Absatz von Smartphones vom 1. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2013 und damit den deutlich sichtbaren Abwärtstrend des Mobilfunkanbieters.

Statistik: Marktanteil von Nokia am weltweiten Absatz von Smartphones vom 1. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2013

Die weitere Statistik zeigt die Entwicklung des weltweiten Umsatzes von Nokia in den Jahren 1999 bis 2022. Ab dem Jahr 2013 ist der Umsatz ohne der veräußerten Mobiltelefonsparte erwirtschaftet worden. Im Jahr 2022 konnte Nokia weltweit einen Umsatz von rund 24,9 Milliarden Euro machen. Im Jahr 2023 brach der Umsatz wieder ein.

Statistik: Umsatz von Nokia in den Jahren 1999 bis 2022 (in Milliarden Euro)

Ursachen und Maßnahmen

Der Rückgang der Geschäftszahlen im dritten Quartal 2023 ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen beeinträchtigte die Verlangsamung der Verbraucherausgaben infolge der globalen Wirtschaftslage den Verkauf von Telekommunikationsgeräten. Zum anderen litten die 5G-Ausrüstungsverkäufe unter der Zurückhaltung der Kunden in Schlüsselmärkten wie Nordamerika. Als Reaktion darauf hat Nokia ein Sparprogramm angekündigt, das neben dem Stellenabbau auch eine Neuausrichtung der Kostenbasis umfasst. Nokia-CEO Pekka Lundmark betonte die Bedeutung dieser Entscheidung, um die langfristige Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Auch Ericsson befindet sich in Schwierigkeiten

Während Nokia mit massivem Stellenabbau und einem Sparprogramm auf seine Herausforderungen reagiert, befindet sich auch der schwedische Rivale Ericsson in einer schwierigen Phase. Ericsson verzeichnete im zweiten Quartal 2023 einen Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns um 62 %. Die Unterschiede zwischen Nokia und Ericsson liegen sowohl in ihrer geschäftlichen Ausrichtung als auch in ihrer Reaktion auf die aktuellen Marktbedingungen. Während Nokia sich stärker auf die Netzwerkinfrastruktur und die Entwicklung von 5G-Technologien konzentriert, hat Ericsson sein Portfolio diversifiziert und investiert verstärkt in Bereiche wie Cloud-Dienste und Internet of Things (IoT).

Zukunftsaussichten von Nokia

Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt Nokia optimistisch hinsichtlich seiner langfristigen Ziele. Das Unternehmen plant, schneller als der Markt zu wachsen und eine vergleichbare operative Marge von mindestens 14 % zu erreichen. Die Führungskräfte erwarten eine „allmähliche Erholung“ des Marktes bis Ende 2023 und eine Verbesserung im Jahr 2024. Nokia setzt dabei auf die steigende Nachfrage nach 5G und zielt darauf ab, seine starke Position in der Telekommunikationsbranche zu nutzen. Dadurch soll sich das Unternehmen von den aktuellen Rückschlägen erholen und weiterhin eine führende Rolle in der Entwicklung zukünftiger Technologien spielen.

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