Auswirkungen der Leitzinserhöhung auf die Wirtschaft

Jahr 2023 mit rotem Pfeil nach oben.
Inhaltsverzeichnis

Am 4. Mai 2023 hat die EZB den Leitzins um weitere 0,25 Prozentpunkte mit Wirkung am 10. Mai 2023 angehoben. Damit steht der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,75 %, der Spitzenfinanzierungssatz bei 4,00 % und die Einlagenfazilität bei 3,25 %. Warum wird das gemacht und welche Auswirkungen hat die Erhöhung auf die heimische und internationale Wirtschaft? 

Warum die Leitzinserhöhung?  

Momentan besteht das zentrale Ziel in der Bekämpfung der Inflation. Das war aber nicht immer so. Die Höhe der Zinsen spielte in den letzten Jahren seit der Finanzkrise im Jahr 2008/2009 kaum mehr eine Rolle. Die „Bankenrettung“ sowie die darauffolgende „Euro-Rettung“ standen im Vordergrund. Es gab Negativzinsen am Markt. Als im Jahr 2019 eine prognostizierte Art Normalisierung eintreten hätte müssen, kam ab Februar 2020 die Corona-Krise. Die Notenbanken reagierten und gaben weltweit Notfallszinssenkungen und teilweise Anleihenkäufe zur Sicherung niedriger Renditen bei Staatsanleihen. Die folgende Statista-Grafik zeigt die Entwicklung des Zinssatzes der EZB für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2023.

Statistik: Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2023 (Stand: Mai 2023)

Späte Reaktion der EZB auf Inflationsschock 

Die Inflationsrate in der Eurozone betrug zu Beginn der Pandemie 0,3 %. Folgende Probleme traten auf:

  • Lieferkettenunterbrechungen 
  • Hohe Transportkosten 
  • Warenknappheit 

All das ließ die Inflationsrate im Jahr 2021 steigen. Als der Ukrainekrieg ausbrach, beschleunigten sich die Teuerungen immens und führten zu einem starken Anstieg der Inflation. Europa und somit auch Österreich waren damit konfrontiert, nicht zu wissen, woher die Erdgasversorgung genau kommt. Weiters kam es zu Ausfällen von Weizen -und Düngemittellieferungen. Damit explodierten die Energiepreise. 

200 Euro-Schein mit anderen Eurogeldscheinen und Euro-Münzen

Die EZB hielt sich lange mit der Leitzinserhöhung zurück

Die Leitzinserhöhungen begannen im Juli 2022, nachdem die Inflationsrate im Juni 2022 bereits 8,6 % in der Eurozone betrug. Das liegt vorrangig daran, dass das primäre Ziel der EZB darin besteht, die Preisstabilität zu gewährleisten. Damit sollte der Wert der Eurozone gewahrt werden und die Wirtschaft zu stabilen Rahmenbedingungen die Möglichkeit für ein Wirtschaftswachstum haben. Wenn die Wirtschaft wächst, werden auch Arbeitsplätze geschaffen. Eine Inflationsrate von 2 % wird grundsätzlich angestrebt. 

Wer ist betroffen?

Die Leitzinserhöhung betrifft bereits laufende Immobilienkredite. Bei der variablen Verzinsung hat sich der 3-Monats-Euribor von -0,57 % Anfang Jänner 2022 bis 3. Mai 2023 auf 3,28 % verteuert. Was vielleicht für den einen wenig im ersten Moment erscheinen mag, ist in Wahrheit sehr viel Geld.

Ein Beispiel veranschaulicht dies gut: Bei einem laufenden Kredit von 25 Jahren Restlaufzeit und einer Schuld von 250.000 Euro verteuert sich die Rate ohne Nebenkosten von monatlich 934 Euro auf 1.430 Euro. Also um knapp 500 Euro mehr im Monat. 

Taschenrechner mit Wort Inflation, Brille, Münzen und Kugelschreiber

Auswirkungen der Leitzinserhöhung auf die Wirtschaft 

Die Auswirkungen sind vor allem im Bereich der Kreditzinsen spürbar, die weitreichende Konsequenzen haben. Diese entfalten in der Realwirtschaft ihre Konsequenzen in folgenden Bereichen: 

  • Verschuldeten Unternehmen drohen Insolvenzen. Der nüchterne Vorteil, über den auch immer wieder berichtet wird, liegt in einer Marktbereinigung. Viele Unternehmen konnten sich in den letzten Jahren nur dank der Corona-Hilfen über Wasser halten. 
  • Die Investitionsbereitschaft von Unternehmen geht zurück und damit lässt die investitionsinduzierte Nachfrage nach. Ein Unternehmer, der hier eine von wenigen Ausnahmen darstellt und weiterhin fleißig Wohnungen baut, ist der österreichische Selfmade-Millionär Walter Temmer. Er investiert weiterhin hohe Geldbeträge in Immobilien, auch in schlechten Zeiten. Denn für viele Immobilien braucht er keinen Kredit und kann, wie er in seiner Werbung für „IchkaufedeineImmobilie.com” sagt, sogar bar bezahlen.
  • Privatkunden kaufen nicht mehr auf Kredit. Damit geht speziell die Nachfrage bei Autos zurück und auch die Immobilien sind nicht mehr leistbar. Dadurch, dass weniger Baukredite vergeben werden, sind auch die Bautätigkeiten gesunken. Die Vergabe von Wohnbaukreditverträgen ist im vierten Quartal 2022 um fast die Hälfte zurückgegangen. 
  • Wenn die Investitionen von Unternehmen zurückgehen und auch private Haushalte mehr sparen, hat das Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette in Österreich. Stark betroffen ist die Automobilindustrie samt Zulieferer, der Maschinenbau, die Computerbranche, Bau, Tourismus und Gastronomie.
  • Die Arbeitslosigkeit steigt durch die rückläufige Nachfrage. Das hat Auswirkungen auf die Preispolitik der Unternehmen. 

Quo Vadis Leitzins? 

In den letzten Tagen ist die First Republic Bank zusammengebrochen und der Finanzmarkt in den USA ist sehr angespannt. Dies kann oder wird zu erheblichen Auswirkungen auf Europa führen. Welche genau, kann laut Experten derzeit noch nicht eingeschätzt werden. Es gibt Situationen, in denen die Zinspolitik an ihre Grenzen stößt bzw. diesen Maßnahmen einfach ins Leere laufen. Es gilt, die nächsten Monate zu beobachten, wie die genaue Wirkung aussieht. 

Fazit: Im Prinzip sollten all diese Maßnahmen der Reduktion der Inflation dienen. Wann und wie es gelingt, ist fraglich.

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